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Wilkommen im Vejen
Kunstmuseum!
Wir erleben oft, dass
die Besucher erstaunt sind, in dieser kleinen Provinzstadt ein Kunstmuseum
vorzufinden. Die Erklärung dafür ist der charismatische Bildhauer Niels
Hansen Jacobsen (1861-1941). Das Museum ist jedoch kein Einmann-Museum,
da der Kern der Gemäldesammlung des Museums schon zu Hansen Jacobsens
Lebzeiten aufgebaut wurde. Die Spannweite der Sammlung reicht von der
dänischen Kunst der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bis zur heutigen
Zeit, mit Werken von u.a. L.A. Ring, Vilh. Hammershøi, Sigurd Swane, Olaf
Rude, Jens Søndergaard und Asger Jorn.
Niels
Hansen Jacobsen wurde in Vejen geboren und verbrachte hier seine Kindheit
und einen Teil seiner Jugend. Den landwirtschaftlichen Betrieb seines
Vaters wollte er nicht übernehmen. In der Zeit von 1884 bis 1888 besuchte
er die Kunstakademie in Kopenhagen, und 1889 debütierte er mit dem
Werk "Der gefesselte Loke". Das Motiv stammt aus der nordischen Mythologie,
die Form ist von seiner Faszination durch Michelangelo geprägt.
Zwei Jahre danach
zog Niels Hansen Jacobsen mit seiner Gattin, der Künstlerin Anna Gabriele,
geb. Rohde (1862-1902), nach Paris, wo sie sich im Künstlerviertel La
Cité Fleurie niederliessen. Ihr Heim wurde zu einem Treffpunkt der dänischen
Künstler, u.a. Rudolph Tegner, Johannes Holbek, Jens Lund und Axel Hou
- sie alle tranken in vollen Zügen aus der reich sprudelnden Quelle des
Symbolismus.
Das Werk "Der Tod
und die Mutter" aus dem Jahre 1892 kündigt Niels Hansen Jacobsen´s Übergang
von einer naturalistischen Form zu einer Form an, die nah an die Formenideale
des Kunsthandwerks in der Zeit des Art Nouveau herankommt - die organisch
verschlungenen Linien. Er wollte grosse, nicht greifbare Begriffe schildern
- den "Schatten", die "Nacht", die "Freiheit in unserer Zeit" und den
"Militarismus". Niels Hansen Jacobsen gestaltete seine eigene Form durch
ein stilisiertes Aufbrechen der Fläche. Seine Ideen lagen den heimischen
Künstlern so fern, dass seine Trollskulptur in der Abteilung der für dekorative
Kunst augestellt wurde! Und als er im Jahre 1900 sein Werk "Der Militarismus"
auf der Weltausstellung zeigen wollte, wurde er vom dänischen Komitee
glatt abgelehnt.
In Paris begann Niels
Hansen Jacobsen´s "Spiel" mit glasierter Keramik, dass ihn sein ganzes
Leben lang begleitete. Er schuf Porträts, Entwürfe zu Skulpturen
und "Gebrauchsgegenstände" in Ton. In diesen letztgenannten Gegenständen
kann man u.a. den Einfluss von japanischen Unika Schalen und Töpfen erkennen,
deren zufälliger Charakter und stoffliche Oberfläche ihm gefielen. Niels
Hansen Jacobsen besass eine Drehscheibe, seine Werke wurden jedoch von
Bearbeitung geprägt. Die Form wurde Gedrückt, gezogen und verschoben,
auf eine sokkel aus Holz oder Metall gesetz, und das keramische Werk wurde
mit Silber und Blei nachbehandelt.
1901 veranstaltete
Niels Hansen Jacobsen in der Galerie Den Frie in Kopenhagen eine gross
angelegte retrospektive Ausstellung. Er bot dem Bildhauermäzen, Brauer
Carl Jacobsen (Carlsberg), seine Arbeiten zu günstigen Bedingungen an
- und Jacobsen bestellte den "Troll" und "Der Tod und die Mutter" in Bronze.
Die Ausstellung war jedoch kaum der Erfolg, den Niels Hansen Jacobsen
sich erhofft hatte. Im folgenden Jahr wurde er von einem lähmenden Schicksalsschlag
getroffen, dem Tod seiner Frau. Er kehrte nach Vejen zurück - und seine
Bildhauerarbeit kam zum Stillstand. 1905 schuf er den ratlos wandernden
"König Lear" und einige Jahre später das naturalistische Werk "In der
Wüste der Grossstadt" mit einem Anflug von sozialer Indignation.
Im Jahre 1908 vermählte
Niels Hansen Jacobsen sich mit Kaja Jørgensen (1882-1928). Aus dem selben
Jahr stammen seine Entwürfe zu einem Museum. Die Hälfte der notwendigen
Mittel konnte beschaffen werden, das Ministerium steuerte jedoch nichts
bei. 1911 erhielt die Stadt aus dem Nachlass von Niels Hansen Jacobsen´s
Vater ein Grundstück, das dem Bau des Museums vorbehalten war. Die Sache
zog sich in die Länge, und 1913 beschloss Niels Hansen Jacobsen, in Skibelund
ein Atelier und ein Museum zu bauen. Nun verbrachte er einen grossen Teil
seiner Zeit mit Keramik und der Herstellung von Grabmälern. Mit dem Werk
"Die Wolke" (1918-1919) kam er möglicherweise der Art déco am nächsten.
1922 erhielt Niels
Hansen Jacobsen die Aufgabe, das Kühlbecken des Kraftwerkes von Vejen
als dekorative Fontäne zu gestalten - das Resultat steht heute vor dem
Museum. Damals hiess es, dass er nach Skibelund umziehen wolle, und das
Gerücht bewirkte, dass nun finanzielle Unterstützung geschaffen werden
konnte - und ein Jahr nach der Einweihung des Troll-Springbrunnens konnte
am 1. Juli 1924 die Eröffnung des Museums gefeiert werden.
Als 70-jähriger wurde
Niels Hansen Jacobsen zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Von 1932-1934
arbeitete er in seinem Atelier in Skibelund an einem seiner Hauptwerke
"Spiel des Lebens".
Der Abstand vom Wohnort
zum Atelier war beschwerlich, und das Museum wurde bald zu eng. In den
Jahren 1937-1938 wurde das Atelier in Skibelund abgebrochen und in Vejen
wieder aufgebaut (der südliche Kuppelsal). Nach Niels Hansen Jacobsen´s
Tod wurde seine Wohnung zu einem Teil des Museums. Im Erdgeschoss wurden
Gedenkräume eingerechtet, die beinahe so aussehen wie damals, als er selbst
noch hier wohnte.
In Jahre 1939 erhielt
das Museum durch eine testamentarische Schenkung von Jens Lunds Witwe
und Schwester eine enorme Sammlung von Jens Lunds Werken auf Papier und
Leinwand - eine wunderbare Ergänzung zur Illustration der symbolistischen
Strömungen in der dänischen Kunst. Aus derselben Epoche werden Werke von
Niels Hansen Jacobsen´s Freunden Axel Hou, Anna E. Munch und nicht zuletzt
Ejnar Nielsen gezeigt.
Im Laufe der dreissiger
und vierziger Jahre "entdeckten" Richard Mortensen und Asger Jorn Jens
Lund und Niels Hansen Jacobsen´s Arbeiten. Richard Mortensen und Asger
Jorn verspürten wahrscheinlich die Verbindung der symbolistischen Werke
- über den Surrealismus - mit ihren eigenen Bestrebungen. |
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Niels Hansen Jacobsen |
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Døden og
Moderen
Der Tod und
die Mutter. 1892 |
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Militarismen
Der Militarismus. 1898-99
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Samson |
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Trolden
Troll. 1896
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Skyen
Die Wolke. 1918-19 |
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